Geschichte der Fabrik


Von Turbinen und Dampfkesseln

Das bis 1935 zur Liegenschaft gehörende grosse Bauernhaus, das eigentliche Stammhaus, dürfte aus dem 18. Jahrhundert stammen. Seine überdurchschnittliche Grösse mit fünf Geschossen und einem Sockelgeschoss deutet auf eine wohlhabende Grossfamilie mit mehreren Familienmitgliedern und Mitbewohnern hin. Zwei Geschosse sind als Vollgeschosse, das Sockelgeschoss als Webkeller ausgebildet, angebaut ist der Ökonomieteil mit zwei Ställen und einem Tenn. Das Bevölkerungsverzeichnis von 1842 für Bühler führt unter dem Haus total 19 Personen auf. Im Dezember 1862 wurde die Liegenschaft erstmalig verkauft. Im Kaufvertrag sind nebst dem Haus, Stadel, Walche, Tröckne- und Brennereigebäude, Waldungen auch das Mobiliar sowie zwei Pferde und vier Kühe erwähnt.

Die Gründung der Bleicherei in der Au, der ersten Fabrik in Bühler, wird ins Jahr 1800 zurückgeführt. Die erste Kaufverschreibung stammt vom 22. September 1828. Die Liegenschaft umfasste damals Haus, Stadel, Walche- und Tröcknehaus. 

1904 bewilligt der Regierungsrat einen zweiten Kessel mit Umbau der Dampfmaschinenanlage in der Fabrik. Im Jahre 1914, als bereits Kriegsgeschrei die Welt durchtobte, wurde eine neue Anlage erstellt zur Aufnahme neuer Maschinen für das Mercerisieren der Ware. Es dürfte sich dabei um die noch bestehende Sheddachhalle handeln. 1916 verkaufte Adolf Fisch die gesamte Liegenschaft an die Firma Zürcher & Cie in Speicher. Im November 1920 ging das Geschäft samt Liegenschaft aus der Erbmasse von Carl Zürcher an die unbeschränkt haftenden Gesellschafter Emil und Fritz Zürcher über.


Konkurs und Zerfall

Die Bleicherei in der Au 1989 vor der Sanierung

1935 erfolgte der Konkurs. Die Liegenschaft wurde wie folgt aufgeteilt: Beim Grundstück 148 verblieben das Wohnhaus samt angebautem Stadel, die südwestlich gelegene Remise ohne darunter liegendem Reservoir und Filteranlage sowie ein Heuschopf, Wiesboden und Wald. Das neue Grundstück bestand aus dem Bleichereigebäude, dem Magazin mit Keller, der Werkstatt und dem Reservoir, der Autogarage, einem Hochkamin, der Hütte für die Weichwasseranlage, dem Reservoir (nicht mehr in Betrieb) unter der Remise 148, der an die Remise angebauten Filteranlage (abgebrochen) und 3 gedeckten Reservoirs auf dem Boden der Liegenschaft 148. Wegen des Konkurses von 1935 ist die Anlage bis1990 weitgehend im Ausbauzustand des Ersten Weltkrieges verblieben.


Ruedi Zwissler (1936 -2021)

Beginn der Sanierung.


1989 erwarb Ruedi Zwissler die „Bleicherei in der Au“, die 1800 als erste Fabrik im Bühler gegründet wurde. Die Fabrikanlage wurde umsichtig, respekt- und schonungsvoll renoviert.

1994 stellte die Denkmalpflege die Fabrik am Rotbach als regional bedeutendes Bauwerk unter Schutz. Das Konzept von Ruedi Zwissler richtete sich nach der Formel «Zusammen arbeiten + wohnen = leben + Natur +Kultur». So erhielt die Fabrik mit Wohn-, Arbeits- und Gemeinschaftsräumen eine neue Bestimmung. 

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Bauhistorische Dokumentation
Markus Fischer & Ruedi Zwissler
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Ehemalige Gebäudefunktionen der Fabrik am Rotbach.